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Schlafen(). Warten(). Porno(). Schlafen().

Gefühlt warte ich den ganzen Tag darauf, dass ich wieder schlafen kann und dann kann ich nicht schlafen und schaue mir dann einen Porno an, drücke paar Knöpfe am Rechner und an mir, fühle mich wie eine Maschine und bin eifersüchtig auf die Pixel, die Spaß miteinander haben. ich bin traurig und befriedigt und denke nach. schlafe irgendwann ein. wache in der Nacht wieder auf. Das einzige Problem dabei ist, dass auch das maschinelle Befriedigen meinen Geist nicht füllt und auch die Gewöhnung an das Spielen an mir selbst mich abstumpft.

Ich lebe aus Gewohnheit. Aber meine Gewohnheiten ätzen mich an. Mein Leben ist ein gedämpfter um -0,6 verschobener Sinus [1]. Es wird gefühlt alles immer schlimmer. Wenn ich jetzt schon über zerflossene Chancen der Beziehung bei Zwitscher nachdenke, dann bin ich wirklich weit unten angekommen. Ich muss mich damit abfinden. Ich hatte es ja selbst gewählt mein digitales Ich und mein analoges Ich zu trennen [2]. Zudem käme ich wohl mit einer Fernbeziehung nicht klar. Und mich jetzt wieder entwurzeln und umzuziehen, würde mein mühsam erstelltes Netz wieder zerreißen. Zudem lebe ich jetzt in einer Großstadt, wo eigentlich die Aussichten auf einen Beruf am größten sein sollten. Und ich kann ja nicht von einem möglichen Partner erwarten, dass er zu mir kommt, wenn ich dazu unter keinen Umständen bereit bin. Ich habe ja nicht einmal eine Arbeit hier. Aber wenn die Pandemie vorbei ist, dann kann ich vielleicht wieder Kultur erleben und Gleichgesinnte suchen. Die Fokussierung auf das Netz ist nur eine Konsequenz der kulturellen Tristesse und dadurch entsteht eben ein Gefühl von Nähe, obwohl da eine große Distanz dazwischen ist. Zudem weiß man ja nie, wer genau hinter den Menschen steckt, die dir diese Buchstaben schreiben. Unsere modernen Lebensweisen verzerren die Verfügbarkeit. Wenn wir im Netz verweilen, dann nehmen wir unsere eigene physische Umgebung weniger wahr. Wenn wir Bahn fahren, dann sitzen die meisten Menschen vor ihren mobilen Abspielgeräten und klinken sich aus [3].

Doch die Nähe ist besonders wichtig. Gerade in der Pandemie, wo die sozialen Kontakte auf ein Minimum reduziert werden mussten, bin ich als Neuling in der Großstadt oftmals außen vor, weil die Menschen um mich herum sich noch nicht genug an mich gewöhnt haben, um mich wichtig zu finden. Meine Flucht ins Netz ist nur ein Derivat nach echten Kontakten, die meine Bedürfnisse verstehen und darauf reagieren [4]. Es ist das Ringen um Anerkennung. Als Mensch aus der Unterschicht mit einem abgeschlossenen Hochschulstudium bin ich ein Sonderling. Zu den Menschen mit wenig Bildung habe ich gar keinen Kontakt durch meine Biographie. Die Menschen mit mehr Bildung irritiere ich durch mein äußeres und meine Sprache, die geprägt ist durch meine Biographie [5]. Aber selbst wenn ich Kontakt aufnehmen würde zu Menschen mit weniger Bildung, dann würde es nicht funktionieren, weil ich durch meine Bildung ganz andere Interessen habe. Ich interessiere mich für soziale Gerechtigkeit, Umweltschutz und Psychologie. Diese Themen sind durch ihre vielen Zusammenhänge sehr kompliziert. Zudem hat sich meine Sprache weiterentwickelt. Meine Sprache ist wie Brackwasser, ein Gemisch aus zwei Welten. Und in diesem außergewöhnlichen Habitat überleben nur wenige Organismen.

Da aber das Netz so groß ist, ist es auch leichter einen Fisch darin zu fangen, der zu mir passt. Doch daraus ergeben sich dann wieder die oben genannten Probleme. Und bei Kontaktbörsen hatte ich kein Glück [6]. Diese kosten nur Geld und sind ganz anders als wahre Kontakte. Es fühlt sich gleich an wie ein Fleischmarkt, wo man die Zutatenliste durchscrollt und dann vor einem so großen Angebot die Übersicht verliert und auch die Motivation sich mit den einzelnen Konkurrenzprodukten auseinander zu setzen. Zudem sind die Profile oft nichtssagend. Dann lieber Kontakte bei Zwitscher suchen, die mich aber zwingen mich zu demaskieren, obwohl ich das nicht will. Es ist so schizophren amphoter. Ich verliere an Kraft. Ich verliere an Hoffnung. Ich weiß nicht mehr weiter.

Weitere Informationen

[1] https://uberlaufer.wordpress.com/2020/08/06/eine-kugel-aus-scheise/

[2] https://uberlaufer.wordpress.com/2020/06/23/trennung-meiner-personlichkeiten/

[3] https://uberlaufer.wordpress.com/2020/12/24/ertrinken-im-meer-der-beliebigkeit/

[4] https://uberlaufer.wordpress.com/2021/01/18/schutzschilder/

[5] https://uberlaufer.wordpress.com/2020/11/24/die-macht-der-sprache/

[6] https://uberlaufer.wordpress.com/2020/09/22/geschafte-mit-der-liebe-iii/

Veröffentlicht von Überläufer

Jeden Tag um 17.00 wagt sich das Überläuferli wieder auf das Nussbaumparkett der Dekadenz. Wenn ihr tanzen wollt, zieht eure Schlittschuhe aus und genießt.

4 Kommentare zu „Schlafen(). Warten(). Porno(). Schlafen().

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