Ins Netz (I)

Ich denke also bin ich. Aber welche Relevanz hat die eigene Existenz, wenn ich nur eine Romanfigur bin in dem Kopf eines kranken Autorengeistes, der mich noch nicht aufs Papier gekotzt hat? Seitdem sich Kramer von seiner langjährigen Freundin getrennt hat, stellt er sich besonders morgens vor dem Dienst diese Fragen. Er wollte ein guter Polizist sein. Mittlerweile ist er 35 und ihn kommt das Leben so sinnlos vor. Er schiebt die Gedanken über seine eigene Existenz beiseite und schaut auf die Uhr. Es ist 5:43. Er könnte jetzt noch etwas versuchen zu schlafen. Was soll er schon so früh auf der Wache?

Der Wecker klingelt. Es ist 7:55. Übermüdet ärgert sich Kramer, dass er nicht doch aufgestanden ist. Warum startet jeder Morgen wieder gleich? Die Sonnenstrahlen wecken mich, ich denke über die Sinnlosigkeit meiner Existenz nach und dann ärgere ich mich schlaftrunken, dass ich nicht doch aufgestanden bin. Jetzt noch schnell den Haferschleim kochen, dabei die Nachrichten hören und dann zur Wache. Jetzt nicht mehr von links nach rechts drehen und nicht von rechts nach links drehen, sondern aufstehen. Das Radio einschalten.

„Es ist 8.00, die Nachrichten mit Maria Einhorn. Verfassungsrichter Schlüter fordert das Verbot der AdF. Schlüter wörtlich: ‚Ihr Programm fußt nicht auf unserer basisdemokratischen Grundordnung. Mit ihren Netzwerken weit in das rechtsextremistische Milieu versteckt sie sich hinter Meinungsfreiheit unsere Demokratie gefährdend. Wir dürfen sie nicht im Waffenarsenal der Demokratie mit unseren eigenen Waffen versorgen.‘

Parteichefin Sträter von den Sozialdemokraten fordert eine wissenschaftliche Studie zur Erfassung von ethnischer Profilierung bei der Polizei.

Heute in der Morgenstunde wurde die mittlerweile dritte Leiche in einem Studentenwohnheim gefunden. Das ist nun der dritte Mord in zwei Wochen. Ob die drei Morde zusammenhängen, wollte sich die Pressesprecherin Betina Lindemann nicht äußern.

Das Wetter: trocken bis 31°C.“

Jetzt verfolgt ihn die eigene Arbeit schon beim Frühstück. Jetzt kann er nicht einmal mehr seinen Haferschleim genießen, ohne auf seine groteske Arbeit hingewiesen zu werden. Er schlingt den Haferschleim herunter und stellt das Radio aus. Eigentlich hatte er eh keinen Hunger, aber dann ist er wenigstens lange satt, wenn zur Mittagszeit sein Chef, der Ostmann, eine Aktualisierung haben möchte.

Jetzt schnell in die Straßenbahn und ab zur Arbeit. Während Kramer darauf wartet, dass die Straßenbahn kommt und dann die Straßenbahn ihn zur Arbeit bringt, lungert er auf sozialen Medien rum und diskutiert lebhaft über den Mindestlohn.

Mittlerweile ist es 9:30 und er betritt die Wache. Auf den Weg zu seinem Büro kommt er bei seinem Kollegen Peter Lindemann vorbei.

Veröffentlicht von Überläufer

Jeden Tag um 17.00 wagt sich die Überläuferin wieder auf das Nussbaumparkett der Dekadenz. Wenn ihr tanzen wollt, zieht eure Schlittschuhe aus und genießt.

7 Kommentare zu „Ins Netz (I)

    1. ((-: Gibt jetzt jeden Mittwoch eine Fortsetzung bis ich dann ne schreibblockade bekomme. Ich verändere wohl auch noch die optik dieses blogs, sodass man besser den roman lesen kann. wollte einen neuen reiter aufbauen und dann muss ich irgendwie anchronistisch da die Artikel ordnen. Ich weiß aber noch nicht so recht wie es geht.

      Ich habe so viele Ideen im Kopf. Hast du eine Idee, wie ich diese gut digital verwalten kann?

      Gefällt mir

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