Gefesselte Gerechtigkeit und winziges Wirtschaftswachstum

Am 27.04.20, um 18.00 endet die Petition zur Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens [1]. Das Grundeinkommen ist ein Ansatz, bei dem alle Sozialleistungen zusammengefasst werden [2] und dem Bürger bedingungslos bezahlt werden.

Kritiker behaupten, dass ein solches bedingungsloses Einkommen unsere Motivation zerstören würden, überhaupt zu arbeiten. Psychologisch ist aber genau das Gegenteil zu beobachten. Wenn du intrinsisch motiviert bist eine Aufgabe zu erledigen, dann werden externe Belohnungen deine Motivation korrumpieren und nachhaltig schädigen [3]. Der Umstand, dass die Sozialleistungen gekürzt werden, wenn nach Arbeitslosigkeit eine Tätigkeit wieder aufgenommen wird, hemmt zusätzlich die Motivation einen Job anzunehmen, der nicht den eigenen Interessen entspricht. Weil jede aktive Eigeninitiative zur Kürzung beiträgt, wird diese Eigeninitiative abgewürgt und wir geraten in die Armutsfalle. Wir werden zur Passivität gezwungen.

Auch Versuche an Ratten [4] konnten zeigen, dass sie lieber für ihre Nahrung Aufgaben erledigten als diese passiv zu erhalten. Die Ratten wurden  an eine Fresszeit um 12 Uhr gewöhnt. Danach bekamen die Ratten die Möglichkeit einen Hebel zu drücken, um etwas zu essen zu bekommen oder aus einem Blechnapf zu fressen, welches keinerlei Aufwand bedeutete. Von 200 Ratten hatten 199 dafür entschieden sich nicht ausschließlich von dem Blechnapf zu ernähren. Von 44 % der Ratten wurde die Nahrungsaufnahme mit dem Hebel sogar bevorzugt. Die Versuche wurden mit Fischen, Affen, Vögeln und Mäusen wiederholt. Sie verhielten sich alle wie die Ratte. Nur die Katze bevorzugt den bequemeren Weg der Nahrungsaufnahme.

Das Grundeinkommen böte die Möglichkeit, dass wir wieder mehr aktive Eigeninitiative entwickeln. Und damit könnten wir ganz neue Potentiale entdecken. Wir täten nur noch das, was uns motiviert und müssten nicht mehr aus Angst wie Sklaven das tun, was wir ablehnen. Zeitgleich böte das Grundeinkommen die Möglichkeit mehr für Gerechtigkeit zu sorgen. Die Vermögen in Deutschland sind so ungleich verteilt, dass die arme Hälfte sich gerade 2,3% Vermögen teilt, während das reichste Prozent in Deutschland ein Drittel des gesamten Besitzes hat [5].

Oft wird uns eingeredet, dass gerade diese Ungleichheit uns motivieren soll, dass wir mehr leisten sollen. Zudem würde der Wohlstand der Reichen zu den unteren Schichten durchsickern. Doch dies hat Piketty empirisch als Propaganda enttarnt [6]. Die Abnahme der Gleichheit hat in der Vergangenheit zu weniger Wirtschaftswachstum geführt. Von jedem Euro, den die Unterschicht bekommt, gewinnt die Wirtschaft 1,20 aufgrund der erhöhten Nachfrage. Jeder Euro, den die Oberschicht bekommt fließt nur 0,30€ zurück in die Wirtschaft, da sie ihr Geld zum größten Teil nicht konsumiert [7].

Wenn du jetzt behauptest, dass ein Grundeinkommen dazu führe, dass uns die Arbeitskräfte für minderwertige Arbeiten ausgingen, aber dann sollten wir ehrlich sein, dass eben auch dieses Argument auch für Sklaverei spricht. Wenn ich niemanden finde, der mein Klo putzt, dann muss ich eben jemanden dazu zwingen. Wer also gegen ein Grundeinkommen ist, der sollte auch dazu stehen, dass er die Sklaverei befürwortet.

Weitere Informationen

[1] https://epetitionen.bundestag.de/petitionen/_2020/_03/_14/Petition_108191.nc.html

[2] https://uberlaufer.wordpress.com/2020/03/27/heilung-statt-pflaster/

[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Korrumpierungseffekt

[4] https://psycnet.apa.org/record/1963-07834-001

[5] https://twitter.com/OezlemADemirel/status/1249616846963249152/photo/1

[6] https://uberlaufer.wordpress.com/2020/04/09/verheizt-fur-irrlichter/

[7] https://www.youtube.com/watch?v=w7daiJHfjoY

Veröffentlicht von Überläufer

Jeden Morgen um 9.00 wagt sich die Überläuferin wieder auf das Nussbaumparkett der Dekadenz. Wenn ihr tanzen wollt, zieht eure Schlittschuhe aus und genießt.

7 Kommentare zu „Gefesselte Gerechtigkeit und winziges Wirtschaftswachstum

  1. Ich würde einem Grundeinkommen zustimmen, da ich es gerechter finde;
    mich selbst motiviert Geld jedoch nicht.
    Auch der Zeitpunkt für diese Diskussion (jetzt wo alle Staaten Unmengen
    Geld verlieren) ist sehr ungünstig gewählt; es sei denn, man argumentiert
    mit den kommenden Crash-Szenarien und erklärt jetzt schon, daß ein
    Aufbausystem eine Grundrente beinhaltet.

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  2. Gut argumentiert!! Ich bin eine große Befürworterin des Grundeinkommens! Ich würde sehr wohl arbeiten, nämlich freelancen, ohne die Befürchtung, dass ich während Auftragsmangels meine Miete nicht zahlen könnte!

    Gefällt 1 Person

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