Lernen zu entschleunigen

Mittlerweile befinden wir uns in der zweiten Woche, in der die Schulen geschlossen wurde. Mittlerweile sollen die sozialen Kontakte aufs Minimum reduzieren und wir dürfen nur noch zu Zweit auf die Straße. In Griechenland ist das Ganze noch schlimmer. Dort werden die Bürger per Kurznachricht informieren für wie lange sie raus dürfen, um Einkäufe zu erledigen. Auch Spahn fordert, dass die Behörden auf Bewegungsprofile von Bürgern zurückgreifen kann, um die Verbreitung von Corona besser einzuschätzen zu können.

Auch wenn es richtig ist, dass wir versuchen müssen die Kontakte zu weit wie möglich zu reduzieren, dann muss offen kommuniziert werden, dass diese Maßnahmen nur temporär gelten und nur für dieses Virus anzuwenden sind. Es muss gewährleistet werden, dass solche Maßnahmen gegen die Freiheit nicht beliebig ohne Zustimmung des Parlaments verlängert werden dürfen [1]. Natürlich sollen die Parlamentarier nicht unnötig in Gefahr gebracht werden, aber solche Abstimmungen könnten ja im 21. Jahrhundert auch im digitalen Raum stattfinden. Es gibt schließlich heute schon Fernunis, wo man Abschlüsse erwerben kann.

Für uns anderen heißt es, dass wir entschleunigen müssen. Wir müssen lernen auch einmal nichts zu tun. Unsere Gesellschaft hat uns stets geprägt, dass wir Leistung zu erbringen haben. Wir seien unseres Glückes Schmied. Wir wurden gebrandmarkt und verdammt, wenn wir genügsam sein wollten. Es ging immer um schneller, es ging immer um weiter, es ging immer um besser. Mehr. Noch mehr. Am Meisten. Es fällt jetzt natürlich schwer in einer solchen Welt der Superlative Orientierung zu finden, besonders, wenn man die Superlative bisher immer der Kompass waren. Wir müssen lernen, dass  neue Situationen auch dazu führen, dass wir mit alten Gewohnheiten brechen müssen. Wir müssen lernen, dass es auch in Ordnung ist einmal nichts zu tun.

Auch ich fiel erst einmal in ein Loch. Ich bin eher unzufrieden mit meiner jetzigen Lebenssituation [3], auch schon vor Corona. Das Hamsterrad in dem ich gefangen bin, fühlt sich an wie eine Zentrifuge [4]. Es ist als ob meine Ideale von meiner Persönlichkeit abzentrifugiert würden. Je mehr ich mich dem System hingebe, desto unzufriedener werde ich. Doch meine Ideale haben mich seit Jahren geprägt und ihr Verlust ist eine Last. Ich wollte der Welt stets ein Vermächtnis hinterlassen. Und jetzt, wo die Ideale gehen, da frage ich, was von mir noch übrigbleibt. Gerade in einer Zeit, wo wir unseren Lebensinhalt nicht mit Unnötigem füllen können, weil wir durch den Virus ausgebremst werden, müssen wir diese schwarzen Gedanken lernen zu tragen. Lyrebird hat dazu sieben Vorschläge gemacht [5], wie wir weiter handlungsfähig bleiben und unser Loch nicht immer größer wird.

Sie empfiehlt regelmäßige Telefonate mit Familie und Freunden. Das mache ich zur Zeit auch regelmäßig. Als zweiten Vorschlag macht sie das Verabreden zu gemeinsamen Fernsehabend per Videoanruf. Voraussetzung dazu sind aber ein stabiles Internetz und das ganze muss synchron sein. Ansonsten ist das schon verstörend, wenn die Reaktion deines Freundes immer zeitversetzt kommt. Von ihrem dritten Tipp kann ich nur abraten. Sie empfiehlt Radio zu hören. Da käme immer aufmunternde Musik. Also ich finde die meisten Radiosender schrecklich. Ich werde demnächst versuchen etwas von meinem Musikfeinschmeckerwissen zu teilen. Dann kommst du auch gut über die Runden zu Zeiten von Corona. Der vierte Tipp habe ich dir bereits in diesem Beitrag versucht mehrmals nahezulegen. Wiederholung festigt den Lernerfolg. Akzeptiere, dass diese Zeit nicht die produktivste in deinem Leben ist. Versuche erst einmal dich möglichst wenig zu bewegen und nicht krank zu werden. Als fünften und sechsten Tipp empfiehlt sie das Erstellen von Fotoalben oder das Zeichnen. Kreativ zu werden, ist sehr befreiend. Auch ich spiele gern mit Wörtern herum und nutze dafür meinen Blog. Das hilft mir zusätzlich meine inneren Dämonen zu zähmen und wieder in Kontakt zu mir selbst zu kommen [6]. Wenn du das beim Zeichnen, Fotografieren und dem Spielen von Musikinstrumenten kannst, ist das auch gut. Als siebten und letzten Tipp empfiehlt sie das Lesen von Büchern, um dich von deiner Einsamkeit abzulenken.

Ich würde die Tipps noch um einen weiteren ergänzen. Wenn du einen Balkon oder eine Terrasse hast, dann setze dich nach draußen und genieße die Sonne. Das Sonnenlicht hilft uns beim Aufbau von Vitamin D und setzt Glückshormone frei [7].

Zieh deine Schuhe aus und entspann dich. Akzeptiere, dass es manchmal das Beste ist, einfach mal die Füße och zu legen und nichts zu tun. Beenden möchte ich dieses Gedankenspaziergang mit guter Musik. Einige kennen vielleicht schon Suchtpotential aus der Heute Show zum Frauentag, aber ich möchte ihre lustigen Lieder mit fetzigen Rhythmen ans Herz legen.

Weitere Informationen

[1] https://www.tagesschau.de/inland/corona-massnahmen-rechtmaessig-101.html

[2] https://uberlaufer.wordpress.com/2020/03/23/misslungende-flucht/

[3] https://uberlaufer.wordpress.com/2020/03/16/gewohnliches-leben-aus-gewohnheit/

[4] https://uberlaufer.wordpress.com/2020/03/17/zentrifuge-des-seins/

[5] http://lyrebird.blog/2020/03/25/allein-oder-einsam-isolation-in-zeiten-der-corona-krise/

[6] https://uberlaufer.wordpress.com/2020/03/16/example-post-3/

[7] https://www.n-tv.de/wissen/Sonnenlicht-ist-lebenswichtig-article2361266.html

3 Kommentare zu „Lernen zu entschleunigen

  1. Die Vorschlage sind nicht verkehrt…. ehrlichgesagt macht mich dieses im Hause
    herumwuseln irgendwie antriebslos. Ausser am Rechner sitzen mache ich
    tatsächlich nicht viel.
    Ja, kreativ bin ich noch….. habe heute dichterische Verhaltensregeln verfasst….
    ziemlich absurde. Aber ansonsten mache ich was mir einfach gerade einfällt.

    L.G. Roland

    Gefällt 1 Person

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