Das Unsterblichkeitsprogramm

Aktuell schaue ich die Serie Altered Carbon auf Netflix. Die Serie basiert auf dem Buch Das Unsterblichkeitsprogramm von Richard Morgan, welches 2002 erschienen ist. Die Serie spielt in einer Welt des 24. Jahrhunderts und die Menschheit hat es geschafft den Tod zu überwinden. Das Bewusstsein kann auf einen Datenchip gespeichert werden und in einem neuen Körper hinunter geladen werden. Das Alter hat an Schrecken verloren. Zu jederzeit kannst du dir einen neuen Körper aussuchen und sogar das Geschlecht wechseln.

Was zunächst kann wunderbar klingt, birgt doch enormen sozialen Sprengstoff. Die Superreichen werden unantastbar wie Götter, während die Armen sich nur Körper minderer Qualität leisten können. Gleichzeitig langweilen sich die neuen Götter, weil das Leben erst wertvoll erscheint, wenn es begrenzt ist. Besonders abstoßend ist die Verknüpfung von Gewalt und Sexualität. Psychologisch ist es ein außerordentlich interessanter Blick, denn der sonst so vernünftige Mensch ist heute nur beim Sex und bei Gewalt von Trieben beherrscht. Wenn dann das Töten nicht endgültig ist und damit auch nicht mehr strafbar ist, entsteht ein wahrhaftig dystopisch düsteres Bild. Und doch scheint das Verschieben der Grenzen nicht ausreichend. Es gibt trotzdem Menschen, welche die Datenchips zerstören wollen, um real zu töten, sodass es keine Wiederkehr gibt.

Abnormale Verhältnisse entstehen ebenfalls bei den neuen Göttern und ihren Kindern, die auf Ewigkeiten verdammt sind im Schatten ihrer Eltern zu stehen. Doch es regt sich Widerstand. Es gibt eine Reihe von religiösen Fanatikern, die meinen, dass die Seele auf den Datenchip gefesselt werde und das uns so das Paradies verwehrt wird. Dann gibt es auch noch die Terroristen, welche die Lebenszeit auf 100 Jahre für alle begrenzen wollen und die Regierung bekämpfen, denn nur dann sind wir vor Gevatter Tod alle wieder gleich.

Das Universum von Altered Carbon schafft ein interessantes Szenario mit möglichen Konflikten, welche uns zum Nachdenken anregen könnten, doch leider verspielt die Verfilmung das Potential. Die skizzierten Konflikte werden nur berührt und im Wesentlichen überlagern die Liebe des Protagonisten zur Anführerin der Terroristen und seine Schwester zu ihm.

In der zweiten Staffel erscheint die Rebellenführerin wieder, etwa 250 Jahre nach ihrem eigenen Tod, weil ihr Datenchip auf einen Klon übertragen wurde und wieder möchte sie die Regierung stürzen. Sie selbst profitiert von der Technologie und ihre Motive bleiben schemenhaft und wenig nachvollziehbar. Besonders die zweite Staffel zeichnet ein klares Bild von gut und böse. Insgesamt verbleibt das Universum hinter seinen Möglichkeiten.

Stellen wir uns doch mal vor, wie es wäre, wenn wir exakt 100 Jahre alt werden würden? Was würde das mit unserem Geist machen? Was würdest du machen, wenn du weißt, wann du stirbst und du es nicht aufhalten kannst? Wie würde es sich anfühlen, wenn du den Sand der Zeit spüren und sehen kannst, der zwischen deinen Fingern rieselt?

Veröffentlicht von Überläufer

Jeden Morgen um 9.00 wagt sich die Überläuferin wieder auf das Nussbaumparkett der Dekadenz. Wenn ihr tanzen wollt, zieht eure Schlittschuhe aus und genießt.

3 Kommentare zu „Das Unsterblichkeitsprogramm

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