Das kranke System

Wie bereits der Komiker Lindner sagte, dass Krisen dornige Chancen sind, sollten wir uns tatsächlich unser System mit kritischeren Augen betrachten. Nicht nur, dass jeder zweite sich vom Ausbrennen bedroht fühlt, ist unsere Art zu wirtschaften sehr anfällig. Die Verbände der Wirtschaft schreien auf, dass sie Lieferprobleme haben und jammern, dass viele Arbeitsplätze bedroht sind. Dabei ist die Krise gerade frisch und schon hören wir, dass sogar unsere deutsche Pharmaindustrie sogar unter Engpässe leidet. Für das ständige Profitmaximieren bekommen wir nun die Quittung.

Während andere von der Strafe Gottes sprechen oder von der intelligenten Natur, die jetzt zurückschlägt, lehne ich solche Formulierungen ab. Auch ist der Virus nicht böse. Er verfolgt wie auch andere Organismen das Ziel sein Erbgut weiterzugeben.

Während Virologen sich schon dafür aussprechen, dass dieser Zustand der sozialen Distanz anhalten soll, stellt der Virus uns plötzlich vor dornige Herausforderungen. Jahrelang wurde gepredigt, dass wir die Treibhausgase reduzieren sollen und unsere Gewohnheiten hinterfragen sollen und heute wird per Notstand diese Maßnahmen durchgedrückt. Mittlerweile ist in den Diskussionen zu hören, dass es systemkritische Berufe gibt. Diese sind vor allem die Menschen, die Arbeiten ausüben, welche mit Nahrung, Gesundheit und Pflege zu tun haben. Alles andere ist erst einmal zweitrangig. Aber gerade diese Berufe wurden in der Vergangenheit sehr wenig wertgeschätzt.

Mittlerweile ist die Bankenkrise von 2008 schon mehr als 10 Jahre her und doch ist das Image eines Bankiers deutlich beschädigt worden. Damals musste der Staat vor allem die Banken retten, um einen Systemkollaps zu verhindern. Heute betrifft die Krise nicht nur den Bankensektor, sondern der Virus betrifft alle Bereiche. Scholz und Altmaier hatten beteuert, dass alle Kosten getragen würden, dass in so einer Krise nicht sonst gesunde Unternehmen absterben.

Besonders kritisch ist die Lage für kleine Unternehmen und Künstler. Sie sind nicht in mächtigen Verbänden organisiert und plötzlich können sie unverschuldet ihre Arbeit nicht mehr ausüben. Brugger hatte bereits auf Twitter aufmerksam gemacht, dass sie Arbeit in der Kinderbetreuung sucht. Was wird jetzt aus diesen Menschen? Diese aktuelle Krise wirft ganz existenzielle Fragen auf. Was ist Kunst wert? Müssen sie auch wie die Banken gerettet werden? Und nach welchen Kriterien legen wir überhaupt fest, was Kunst ist und somit unter dem Schutzschirm schlüpfen darf.

In den USA wird bereits über Notgeld debattiert. Deswegen schlug der republikanische Senator aus Utah, jedem US-Amerikaner einen Scheck von 1000 Dollar auszustellen. Plötzlich ist Verstaatlichung wieder in aller Munde. Der Staat könne Garantien übernehmen. Was zunächst wohlwollend klingt, ist nicht mehr als ein Pflaster für das kranke System, in dem wir leben. Selbst wenn der Staat mit Geld bürgt, bleibt immer noch die Frage nach dem Wert der Kunst und was überhaupt Arbeit ist. Zu Beginn der Coronakrise sprach sich Spahn gegen Schulschließungen aus, weil dann die Betreuung der Kinder nicht gewährleistet sei, weil gerade Frauen eben in den systemkritischen Berufen arbeiten. Damit entreißt er dem Kapitalismus die Maske und wir sehen die hässliche Fratze. Wenn die systemkritischen Berufe nicht mehr ausgeübt werden können, droht der Totalkollaps.

Doch vor der Krise waren die systemkritischen Berufe schlecht bezahlt und dementsprechend gab es wenig Wertschätzung und Anerkennung. Menschen mit solchen Berufen arbeiten an ihrer Belastungsgrenze, weil sie ständig getrieben sind von ihrer Angst vor der Arbeitslosigkeit und Hartz IV mit seinen Sanktionen und Konsequenzen.

Was wir jetzt brauchen sind nicht Steuersenkungen, damit die Wirtschaft weiter gefettet wird, sondern eine bedingungslose Grundsicherung für alle. Wir brauchen das bedingungslose Grundeinkommen.

Weitere Informationen unter:

https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/92312/Jeder-Zweite-fuehlt-sich-von-Burnout-bedroht

https://www.neues-deutschland.de/artikel/1134382.linke-coronavirus-der-andere-blick.html

https://thehill.com/homenews/senate/487794-romney-proposes-sending-1000-to-every-american-adult-amid-coronavirus

https://sozialpiraten.piratenpartei.de/2016/01/07/sozialstaat-3-0-versionsstand-1-4-2/

https://www.die-linke-grundeinkommen.de/nc/konzept/detail/news/das-grundeinkommenskonzept-der-bag-grundeinkommen-in-und-bei-der-partei-die-linke/

Veröffentlicht von Überläufer

Jeden Morgen um 9.00 wagt sich die Überläuferin wieder auf das Nussbaumparkett der Dekadenz. Wenn ihr tanzen wollt, zieht eure Schlittschuhe aus und genießt.

4 Kommentare zu „Das kranke System

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

Erstelle deine Website auf WordPress.com
Jetzt starten
%d Bloggern gefällt das: